Ein ISOBUS-Gateway verbindet das ISOBUS-Netzwerk des Traktors mit etwas, das kein ISOBUS spricht: einer vorhandenen Maschinensteuerung, Leitungen zu Ventilen und Sensoren oder einer Mobilfunkverbindung. Alle drei laufen unter demselben Begriff. Deshalb lassen sich die Angebote so schwer vergleichen. Klären Sie vor dem Kauf, welchen Typ Sie vor sich haben und ob Sie überhaupt eines brauchen.
Was ein ISOBUS-Gateway macht
ISOBUS (ISO 11783) ist der CAN-basierte Standard, über den ein Anbaugerät seine Bedienung auf dem Traktordisplay darstellt, dem Virtual Terminal (VT). Über AUX-N nimmt es außerdem Befehle vom Joystick und von den Tasten an der Armlehne entgegen. Alles im ISOBUS-Netzwerk spricht dieses eine Protokoll.

Ein Gateway sitzt am Rand dieses Netzwerks. Auf der einen Seite ist es ein ISOBUS-Teilnehmer. Auf der anderen Seite spricht es mit etwas außerhalb: einem anderen CAN-Protokoll, physischen Ein- und Ausgängen oder dem Internet. Seine Aufgabe ist, Befehle und Daten über diese Grenze zu bringen.
Die drei Typen von ISOBUS-Gateways
Protokoll-Gateway
Ein Protokoll-Gateway übersetzt zwischen ISOBUS und einem anderen CAN-Protokoll: J1939, CANopen oder den eigenen CAN-Nachrichten eines Herstellers. Sie setzen es ein, wenn das Anbaugerät bereits eine funktionierende Steuerung hat und diese auf das Traktordisplay soll, ohne sie zu ersetzen. Das Gateway übernimmt die ISOBUS-Seite (Address Claim, die VT-Masken, die AUX-N-Funktionen) und tauscht über einen zweiten CAN-Anschluss Werte mit der vorhandenen Steuerung aus. Was Address Claim und die übrigen Kürzel bedeuten, steht im ISOBUS-Glossar.
Deshalb hat ein Protokoll-Gateway zwei CAN-Schnittstellen: eine für ISOBUS, eine für die Maschinensteuerung.
I/O-Gateway
Ein I/O-Gateway hat kein zweites Netzwerk. Auf seiner anderen Seite hängen Leitungen: Eingänge für Sensoren und Schalter, Ausgänge für Ventile, Scheinwerfer und Motoren. Daraus macht es einen ISOBUS-Teilnehmer mit eigenem Object Pool, also den Masken und Tasten, die es an das Traktorterminal schickt. So bekommt ein Anbaugerät ohne eigene Elektronik Tasten auf dem Traktordisplay.
Telematik-Gateway
Ein Telematik-Gateway liest den Datenverkehr auf dem Bus mit und schickt ihn per Mobilfunk oder WLAN von der Maschine an einen Cloud-Dienst oder einen Server. Motordaten, Fehlercodes, Betriebsstunden, Position. Viele hören nur zu. Sie zeichnen auf und laden hoch, auf dem Traktordisplay erscheinen sie nie. Das ist die Box fürs Flottenmanagement, kein Bediengerät.
Wer ISOBUS-Gateways herstellt
Mehrere Firmen bauen ISOBUS-Gateways. ifm und b-plus stellen Protokoll-Gateways her, die eine vorhandene Maschinensteuerung auf das Traktordisplay bringen. CSS Electronics baut CAN-Datenlogger, mit denen sich ISOBUS-Verkehr für die Telematik aufzeichnen lässt. Varianten, Gehäuse und Firmware-Optionen ändern sich, deshalb listet dieser Beitrag sie nicht auf. Technische Daten und Bestellinformationen finden Sie auf den Seiten der jeweiligen Hersteller. Klären Sie vor einer Anfrage, welchen der drei Typen Sie brauchen.
Wann Sie wirklich ein Gateway brauchen
Ein Gateway lohnt sich in vier Fällen:
- Sie haben eine funktionierende Maschinensteuerung, und die muss ISOBUS sprechen. Ein Protokoll-Gateway bringt sie auf das Traktordisplay, ohne dass Sie die Steuerung von Grund auf neu programmieren.
- Etwas an der Maschine spricht J1939 oder ein anderes CAN-Protokoll, und dessen Daten müssen auf ein ISOBUS-Terminal.
- Sie wollen Maschinendaten vom Traktor holen. Betriebsstunden, Fehlercodes und Position, gespeichert auf einem Server. Das leistet ein Telematik-Gateway, und sonst nichts in dieser Liste.
- Sie brauchen Task-Controller-Daten. Dokumentation, Ausbringmengen nach Applikationskarte oder automatische Teilbreitenschaltung setzen einen Task-Controller-Client voraus. Manche Protokoll- und I/O-Gateways bieten einen. Was dahintersteckt, erklärt der Beitrag zur ISOBUS-Teilbreitenschaltung.
Passt keiner dieser Fälle, lesen Sie den nächsten Abschnitt, bevor Sie Geld für ein Gateway ausgeben.
Wann ein Relaismodul reicht
Viele, die nach einem ISOBUS-Gateway suchen, wollen etwas Einfacheres: Arbeitsscheinwerfer, ein Wegeventil oder eine Hydraulikfunktion vom Traktordisplay und vom Joystick aus schalten, statt über einen Schaltkasten, dessen Kabel durchs Heckfenster läuft. Sie brauchen Ein/Aus-Ausgänge, die auf dem VT erscheinen. Ein zweites CAN-Netzwerk oder eigene Masken wären für diese Aufgabe zu viel.
Genau das ist ISOBUS Block: ein Relaismodul, das ISOBUS spricht. Sie schließen es an die ISOBUS-Steckdose in der Kabine oder am Heck des Traktors an, und seine Tasten erscheinen auf dem Traktordisplay. Außerdem taucht es im AUX-N-Zuweisungsmenü auf. So legen Sie Kanäle auf Tasten am Joystick und an der Armlehne.
- 8 Relaiskanäle, CH1 bis CH8, je 10 A, mit den Klemmen NO, COM und NC.
- Jede Taste stellen Sie am Traktordisplay auf TOG (rastend) oder MOM (tastend). Eine Taste kann mehrere Kanäle gleichzeitig schalten.
- Namen und Symbole der Tasten bearbeiten Sie am Traktordisplay. Sie erscheinen genauso im AUX-N-Menü.
- Das Modul wird über die ISOBUS-Verbindung versorgt. Die Relais schalten Ihre eigene 12-V- oder 24-V-Versorgung auf die Verbraucher.
Im Vergleich zu einem I/O-Gateway ist die Abwägung klar. Sie bekommen Relaiskontakte, an die Sie fast jeden Ein/Aus-Verbraucher anschließen können, und eine fertige Bedienoberfläche. Sie bekommen keine Proportional- oder PWM-Ausgänge, keine Sensorwerte auf dem Display und keinen Task-Controller-Client. ISOBUS Block arbeitet nur mit VT und AUX-N. Es gibt nichts zu programmieren und keinen Object Pool zu gestalten: Verbraucher verdrahten, Tasten benennen, losfahren. Wie das an einem älteren Anbaugerät aussieht, zeigt der Leitfaden zum ISOBUS-Nachrüsten. Schaltbox, Relaisbox im Eigenbau und Modul stellt der Vergleich der ISOBUS Block Alternativen nebeneinander.
Für Hersteller: Gateway oder Jobrechner mit eigener Software
Wenn Sie Anbaugeräte bauen, ist das Gateway der Weg, bei dem Ihre vorhandene Steuerung bleibt. Die Steuerlogik bleibt, wo sie ist, und das Gateway ergänzt die ISOBUS-Seite. Trotzdem muss jemand den Object Pool gestalten, jeden Wert zwischen den beiden Protokollen zuordnen und das Ergebnis auf den Terminals testen, mit denen Ihre Händler zu tun haben. Am Ende pflegen Sie zwei Geräte und die Verbindung dazwischen.
Der andere Weg ist ein einziger Jobrechner, der Ihre Maschine steuert und selbst ISOBUS spricht: Sensoren, Ventile, Masken, AUX-N und Task Controller in einem Gerät und einem Softwareprojekt. Was dieser Jobrechner leistet und was Sie vor dem Start festlegen sollten, erklärt der Beitrag ISOBUS ECU for implements (Englisch). ETERVO Oy, das Unternehmen hinter ISOBUS Block, entwickelt diese Software für Gerätehersteller auf einer abgedichteten ECU. Mehr dazu auf der OEM-Seite.
So sitzt ein Gateway am Bus
Jeder Gateway-Typ wird gleich angeschlossen. Er kommt über den genormten 9-poligen Stecker ans ISOBUS-Netzwerk, an der Steckdose in der Kabine oder an der Heckdose, oder über den Buskabelbaum des Anbaugeräts. Die Belegung beider Traktorsteckdosen finden Sie im ISOBUS-Stecker-Pinout-Guide.
Der Bus läuft mit 250 kbit/s und hat an jedem physischen Ende einen 120-Ohm-Abschlusswiderstand. Daran ändert ein Gateway nichts. Beim Einschalten beansprucht ein Gateway, das am Bus teilnimmt, seine eigene Quelladresse, wie jeder ISOBUS-Teilnehmer. Zeigt es Masken auf dem Traktorterminal, lädt es seinen Object Pool ins VT, und das Terminal stellt ihn dar. Ein reiner Datenlogger überspringt beide Schritte und hört nur mit.
Weil jeder Teilnehmer seine eigene Adresse beansprucht, teilt sich ein Gateway den Bus mit Traktor, Terminal, Anbaugerät und einem Relaismodul wie ISOBUS Block, ohne einen davon vom Bus zu drängen.
Häufige Fragen
Was ist ein ISOBUS-Gateway?
Ein ISOBUS-Gateway verbindet das ISOBUS-Netzwerk des Traktors mit etwas, das kein ISOBUS spricht. Das kann ein anderes CAN-Protokoll wie J1939 sein, physische Ein- und Ausgänge an einem älteren Anbaugerät oder eine Mobilfunkverbindung für Telematik.
ISOBUS oder CAN-Bus: Was ist der Unterschied?
Der CAN-Bus ist die Verkabelung und das Nachrichtenformat darunter. ISOBUS (ISO 11783) ist ein darauf aufbauender Standard, abgeleitet von J1939. Er läuft mit 250 kbit/s und legt fest, wie Traktor, Terminal und Anbaugerät miteinander sprechen: Address Claim, Virtual Terminal, AUX-N, Task Controller. Jedes ISOBUS-Netzwerk ist ein CAN-Bus. Die meisten CAN-Busse sind kein ISOBUS. Den ausführlichen Vergleich zeigt ISOBUS, CAN-Bus und J1939: Wo liegt der Unterschied?.
Brauche ich ein Gateway für ISOBUS Block?
Nein. ISOBUS Block kommt direkt an die ISOBUS-Steckdose in der Kabine oder am Heck und erscheint auf dem Virtual Terminal. Dazwischen sitzt nichts. Ist aus anderen Gründen schon ein Gateway am Traktor, teilen sich beide den Bus.
Kann ein Gateway ein Anbaugerät ohne ISOBUS ISOBUS-fähig machen?
Ja. Ein I/O-Gateway wird an Ventile und Sensoren des Anbaugeräts verdrahtet und bringt dessen Masken auf das Traktorterminal. Ein Protokoll-Gateway leistet dasselbe für ein Anbaugerät mit eigener CAN-Steuerung. Muss das Anbaugerät nur Ausgänge ein- und ausschalten, erledigt das ein Relaismodul mit ISOBUS, ganz ohne Programmierung. Die Möglichkeiten zeigt der Beitrag ISOBUS oder nicht-ISOBUS: Anbaugeräte im Vergleich.
Was ist ein ISOBUS-Adapter?
Der Begriff wird locker verwendet. Meist ist ein Adapterkabel zwischen zwei ISOBUS-Steckertypen gemeint oder eine Verlängerung, die die ISOBUS-Steckdose des Traktors dorthin bringt, wo ein Gerät montiert ist. Manche Händler nennen auch ein Gateway so. Prüfen Sie, ob das Angebot ein Kabel ist, das nur Leitungen weiterführt, oder ein elektronisches Gerät, das einen Teilnehmer an den Bus bringt.
Sie wollen Arbeitsscheinwerfer, Magnetventile oder ein Wegeventil vom Traktordisplay und Joystick aus schalten, ohne Gateway dazwischen? Mit ISOBUS Block bekommen Sie 8 Relaisausgänge, die Sie selbst verdrahten und steuern.
