Die Klasse der Traktor-ECU sagt, was ein Traktor dem Anbaugerät hinter ihm mitteilt. Klasse 1 sendet die Grundwerte: Geschwindigkeit, Zapfwelle und Heckhubwerk. Klasse 2 sendet mehr. Klasse 3 nimmt zusätzlich Befehle vom Anbaugerät an und ist damit die Grundlage für TIM, bei dem zum Beispiel eine Rundballenpresse den Traktor selbst anhält. Wenn Sie neu bei ISOBUS sind: Hier geht es darum, was der Traktor dem Anbaugerät meldet, nicht darum, was das Anbaugerät auf Ihrem Terminal anzeigt.
Was die Traktor-ECU (TECU) ist
Die Traktor-ECU, kurz TECU, ist der eigene Knoten des Traktors am Gerätebus. Beschrieben ist sie in ISO 11783-9 (die 14 Teile der Norm erklärt). Sie hat zwei Aufgaben:
- Sie meldet den Zustand des Traktors. Radgeschwindigkeit, Zapfwellendrehzahl, Hubwerksstellung und ähnliche Werte gehen auf den Bus, und jedes Anbaugerät, das sie braucht, liest sie mit.
- Sie schaltet die Versorgung des Anbaugeräts. Sie folgt dem Zündschloss und hält die Geräteelektronik lange genug unter Strom, damit diese sauber herunterfahren kann.
Die TECU ist nicht das Terminal. Das Terminal zeigt die Bedienung des Anbaugeräts. Die TECU ist der Traktor, der über sich selbst Auskunft gibt.
Die Norm teilt TECUs in Klassen ein. Jede Klasse enthält alles aus der Klasse darunter.
ISOBUS-Klasse 1, 2 und 3 im Vergleich
Klasse 1: die Grundwerte
Eine TECU der Klasse 1 sendet, was die meisten Anbaugeräte für ihre Arbeit brauchen:
- Radgeschwindigkeit und Wegstrecke, gemessen am Getriebe oder an einem Radsensor
- Drehzahl der Heckzapfwelle
- Stellung des Heckhubwerks und ob es in Arbeitsstellung ist
- Versorgungsmanagement: Zustand des Zündschlosses und Versorgung der Geräteelektronik
Ein Düngerstreuer, der seine Ausbringmenge hält, oder eine Sämaschine, die beim Ausheben aufhört, Fläche zu zählen, kommt mit einem Traktor der Klasse 1 aus.
Klasse 2: mehr Messwerte
Klasse 2 erweitert diese Liste. Im Allgemeinen kommen dazu:
- Geschwindigkeit und Wegstrecke über Grund, von einem Radarsensor oder Satellitenempfänger, die auch bei Schlupf stimmen
- Weitere Zustandsdaten zu den Systemen des Traktors
- Lichtbefehle, mit denen der Traktor dem Anbaugerät sagt, welche Leuchten es schalten soll (mehr dazu weiter unten)
Klasse 3: Das Anbaugerät darf Befehle senden
Mit Klasse 3 dreht sich die Richtung um. Der Traktor meldet weiterhin alles, und er nimmt Befehle vom Anbaugerät an, etwa das Heckhubwerk zu bewegen, die Zapfwelle zu schalten oder ein Hydraulik-Steuergerät zu betätigen. Erst Klasse 3 macht TIM möglich.
Woher das ISOBUS-Geschwindigkeitssignal kommt
Ein ISOBUS-Anbaugerät liest die Geschwindigkeit von der TECU. Einen eigenen Sensor oder ein extra Kabel braucht es dafür nicht. Es gibt zwei Geschwindigkeitswerte, und die sind nicht gleich:
| Geschwindigkeitswert | Quelle | Klasse | Schwachstelle |
|---|---|---|---|
| Radgeschwindigkeit | Getriebe oder Radsensor | Klasse 1 | Zeigt bei Schlupf zu viel an |
| Geschwindigkeit über Grund | Radar oder Satellitenempfänger | Klasse 2 | Der Sensor muss am Traktor verbaut sein |
Für Düngerstreuer und Feldspritze liefert die Geschwindigkeit über Grund die genauere Ausbringmenge. Ein Rechner ohne ISOBUS bekommt dieselben Werte stattdessen über die 7-polige Signalsteckdose. Welche Steckdose welche ist, zeigt der Beitrag Traktor-Steckdosen erklärt.
Beleuchtung über ISOBUS
Der Traktor kann dem Anbaugerät über den Bus Lichtbefehle senden: welche Leuchten für die Straße gerade an sein sollen, etwa Schlussleuchten, Blinker und Bremslicht. Ein ISOBUS-Anbaugerät, das diese Befehle versteht, schaltet seine eigene Straßenbeleuchtung passend zum Traktor. Unterstützen es beide Maschinen, funktioniert die Straßenbeleuchtung am Anbaugerät ohne 7-poligen Lichtstecker.
Zwei Dinge sollten Sie wissen:
- Beide Seiten müssen es können. Der Traktor sendet die Befehle nur, wenn seine TECU Lichtbefehle unterstützt. Das Anbaugerät setzt sie nur um, wenn sein Jobrechner dafür gebaut ist. Fehlt es auf einer Seite, bleibt der 7-polige Lichtstecker in Gebrauch.
- Es geht um die Straßenbeleuchtung. Arbeitsscheinwerfer am Anbaugerät sind eine andere Sache. Sie werden meist getrennt geschaltet, und an vielen Anbaugeräten lassen sie sich von der Kabine aus gar nicht schalten.
Beim zweiten Punkt kommt ein Relaismodul ins Spiel. Verdrahten Sie die Arbeitsscheinwerfer auf einen Relaiskanal, geben Sie dem Kanal eine Taste auf dem Terminal und legen Sie diese Taste über AUX-N auf die Armlehne. Die Anleitung Arbeitsscheinwerfer per ISOBUS und AUX-N installieren zeigt Verdrahtung und Tastenbelegung. Was Lichtbefehle ersetzen und was nicht, steht ausführlich unter ISOBUS-Beleuchtungsanlage am Traktor.
TIM: Das Anbaugerät steuert den Traktor
TIM steht für Tractor Implement Management. So nennt die Branche es, wenn ein Anbaugerät dem Traktor Befehle schickt und der Traktor sie ausführt. TIM setzt auf Klasse 3 auf.
Das klassische Beispiel ist die Rundballenpresse. Ist der Ballen fertig, fordert die Presse den Traktor zum Anhalten auf, bindet und wirft den Ballen aus, und der Fahrer fährt weiter. Andere Anbaugeräte heben damit am Vorgewende das Hubwerk oder schalten an einem festgelegten Punkt ein Hydraulik-Steuergerät.
Was TIM voraussetzt:
- Unterstützung auf beiden Maschinen. Ein TIM-fähiges Anbaugerät an einem Traktor ohne TIM läuft als normales ISOBUS-Anbaugerät, und der Fahrer erledigt diese Schritte von Hand.
- Die Freigabe durch den Fahrer. TIM wird in der Kabine eingeschaltet, und der Fahrer behält die Kontrolle. Sobald er ein Bedienelement betätigt, übernimmt er vom Anbaugerät.
TIM ist keine Vorgewendeautomatik. Die Vorgewendeautomatik spielt einen Ablauf ab, den Sie vorher aufgezeichnet haben. Bei TIM gibt das Anbaugerät dem Traktor einen Befehl.
So finden Sie die Klasse Ihres Traktors heraus
Die Klasse steht nicht auf dem Traktor. Prüfen Sie in dieser Reihenfolge:
- Betriebsanleitung oder Datenblatt. Suchen Sie unter ISOBUS, TECU oder Gerätedaten. Dort kann "TECU Klasse 2" oder "ISOBUS Class 3" stehen.
- Infoseite des Terminals. Viele Terminals listen die Geräte am Bus mit ihren Funktionen auf. Bei manchen Marken erscheint dort auch die TECU des Traktors.
- Ihr Händler. Er kann die Klasse aus der Konfiguration des Traktors auslesen, wenn die Anleitung nichts dazu sagt.
Viele ältere ISOBUS-Traktoren sind Klasse 1 oder Klasse 2. Für die meisten Anbaugeräte reicht das. Wichtig wird die Klasse, wenn ein Anbaugerät Geschwindigkeit über Grund, Lichtbefehle oder TIM braucht. Wie Sie einen Traktor prüfen, steht im ISOBUS-Kompatibilitätsleitfaden.
Was das für Zusatzmodule bedeutet
Ein Gerät, das über das Virtual Terminal und AUX-N arbeitet, braucht keine bestimmte TECU-Klasse. ISOBUS Block ist so ein Gerät. Vom Traktor braucht es drei Dinge:
- Eine ISOBUS-Steckdose, in der Kabine oder am Heck
- Ein Terminal, das seine Bedienmaske anzeigt. Dort schaltet jede Taste einen Relaiskanal,
CH1bisCH8, im ModusTOGoderMOM - AUX-N am Terminal, wenn Sie diese Tasten auf Joystick oder Armlehne haben wollen. Ohne AUX-N schalten Sie über das Display. Siehe die AUX-N-Komplettanleitung.
Es liest weder Geschwindigkeit noch Hubwerksstellung, und an TIM nimmt es nicht teil. An einem Traktor der Klasse 1 läuft es genauso wie an einem der Klasse 3.
Soll der eingebaute Hektarzähler des Traktors nur laufen, während Sie arbeiten, ist das eine andere Aufgabe: Ein Relaiskanal kann den Arbeitssignal-Eingang des Zählers speisen. Siehe Traktor-Hektarzähler mit ISOBUS Block auslösen.
ISOBUS-Klassen der Traktor-ECU auf einen Blick
| Klasse | Was der Traktor sendet | Was das Anbaugerät damit tun kann |
|---|---|---|
| Klasse 1 | Radgeschwindigkeit und Wegstrecke, Drehzahl der Heckzapfwelle, Stellung des Heckhubwerks, Versorgungsmanagement | Geschwindigkeit, Zapfwelle und Hubwerk lesen, um die Ausbringmenge zu halten oder Fläche zu zählen |
| Klasse 2 | Alles aus Klasse 1, dazu Geschwindigkeit und Wegstrecke über Grund, weitere Zustandsdaten, Lichtbefehle | Echte Geschwindigkeit über Grund nutzen, die eigene Straßenbeleuchtung nach den Befehlen des Traktors schalten |
| Klasse 3 | Alles aus Klasse 2, und nimmt Befehle an | Hubwerk, Zapfwelle und Hydraulik-Steuergeräte ansteuern; die Grundlage für TIM |
Alle Begriffe auf dieser Seite erklärt das ISOBUS-Glossar.
Häufige Fragen
Was ist ISOBUS Klasse 3?
ISOBUS-Klasse 3 ist eine Traktor-ECU, die neben dem Senden der Traktordaten auch Befehle vom Anbaugerät annimmt. Das Anbaugerät kann den Traktor auffordern, das Hubwerk zu bewegen, die Zapfwelle zu schalten oder ein Hydraulik-Steuergerät zu betätigen. Auf dieser Grundlage baut TIM auf.
Was ist der Unterschied zwischen ISOBUS Klasse 1, 2 und 3?
Klasse 1 sendet die Grundwerte: Radgeschwindigkeit, Drehzahl der Heckzapfwelle, Stellung des Heckhubwerks und Versorgungsmanagement. Klasse 2 ergänzt Geschwindigkeit über Grund, weitere Zustandsdaten und Lichtbefehle. Klasse 3 nimmt zusätzlich Befehle vom Anbaugerät an.
Was ist TIM bei ISOBUS?
Mit TIM (Tractor Implement Management) steuert das Anbaugerät Funktionen des Traktors, zum Beispiel hält eine Rundballenpresse den Traktor an, wenn der Ballen voll ist. Dafür braucht es einen Traktor der Klasse 3, TIM auf beiden Maschinen und einen Fahrer, der es in der Kabine einschaltet. Der Fahrer kann jederzeit übernehmen.
Braucht mein Traktor Klasse 3 für ein ISOBUS-Anbaugerät?
Nein. Die meisten ISOBUS-Anbaugeräte laufen mit jeder Klasse, bedient über das Terminal und AUX-N-Tasten. Klasse 3 zählt nur für Anbaugeräte, die dem Traktor Befehle geben wollen, etwa Rundballenpressen mit TIM. Manche Anbaugeräte brauchen Klasse 2 für die Geschwindigkeit über Grund.
Kann ISOBUS die Beleuchtung am Anbaugerät steuern?
Ja, die Straßenbeleuchtung, wenn Traktor und Anbaugerät beide Lichtbefehle unterstützen. Der Traktor sendet die Befehle, und das Anbaugerät schaltet seine Straßenbeleuchtung passend dazu. Arbeitsscheinwerfer werden meist getrennt geschaltet, zum Beispiel über ein Relaismodul mit einer Taste auf dem Terminal.
Woher kommt das Geschwindigkeitssignal bei ISOBUS?
Von der Traktor-ECU. Die Radgeschwindigkeit kommt vom Getriebe oder einem Radsensor (Klasse 1). Die Geschwindigkeit über Grund kommt von einem Radarsensor oder Satellitenempfänger (Klasse 2). Das Anbaugerät liest beide über die ISOBUS-Verbindung.
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